Wenn man an einzigartige Dinge auf der Welt denkt, dann kommt man schnell bei den Pyramiden oder irgendwelchen Tiefseeschluchten an. So weit weg muss man aber gar nicht gehen, um einzigartiges zu erleben. In Valencia wird einem davon genug geboten (die Stadt der Künste und Wissenschaften gehört dazu). Zur Liste gesellt sich der sogenannte “Turia Garden”, ein Konzepterlebnis, dass man so auf der ganzen Welt nicht mehr findet.

Der Rio Turia war mal ein Fluss. Streng genommen ist er es immer noch, er wurde nur irgendwann umgeleitet und das ursprüngliche Flussbett, welches mitten durch die Stadt führt, trocken gelegt. Dort sollte eigentlich die Stadtautobahn lang führen, in etwa so, wie heute auf Tempelhof eigentlich Luxustownhäuser stehen sollte. Und wie in Berlin konnten sich die Menschen gegen so eine Kränkung wehren; heute ist der trockene Turia nämlich eine Freizeitparkanlage, der sich durch Valencia schlängelt.

Das Gefühl liegt nicht unbedingt im Park begründet. Natürlich sind Parks schön. Es ist die Idee, die so fasziniert: mitten im urbanen Geflecht legt sich ein grüner Zopf hin und ist frei für alle. Hier und da ragen Brücken hervor, die beide Teile der Stadt verbinden. Das wahnwitzige Projekt legt sich so organisch, so selbstverständlich für alle Bürger der Stadt sowie ihre Besucher vor die Füße, dass man sich unumgänglich fragen muss: wieso gibt es das nicht überall?

Gut, wenn man mal einen Schritt von diesem Fantasma zurück tritt, so denkt man schon an all die anderen urbanen Errungenschaften in der Verschränkung von sehnsüchtigem Stadtmensch und freier, ihrem Zweck entbundener Fläche. In Berlin sind es alte Industriebauten oder Brachland, welches für Clubs und Kulturprojekte genutzt wird. In New York werden die Dächer, ungefähr das letzte, was noch nicht zum ökonomischen Wunderkapital verarbeitet wurde, als Taubenverschläge oder post-moderne Gärten genutzt. An Innovationsgrad mangelt es global gesehen nicht. Einen ganzen Flughafen kann man in Tempelhof heute als Spiel- und Spaßfläche nutzen.

Trotzdem – oder gerade deshalb, weil eben jede Stadt eine eigene Einzigartigkeit und nur diese produzieren kann, und weil diese Einzigartigkeiten aus den gegebenen Eigenschaften, den historischen Opportunitäten sowie der gegenwärtigen Mentalität zusammengebraut werden – ist der Rio Turia in Valencia, der heute ein langer, wunderschöner Grünstreifen durch die Stadt ist, ein Schmuckstück, das sich zu sehen, leben und erleben lohnt.