Alle standen mit drei Jahren schon auf dem Berg und reiten professionell Lawinen auf ihren ach-so-coolen Snowboards, und ich? Ich bin mit 25 Jahren schockverliebt wenn ich die Alpen sehe. So geht’s mir übrigens nicht jedes Mal, wenn ich in unbekannten Gefilden bin. Aber “Die Berge”, für mich ein Eigenname, und dann auch noch im Winter – massiv, kolossal, erzeugt Demut in meinem Herzen. Die Aneinanderreihung von Adjektiven ist von meiner Unfähigkeit bestimmt, so etwas in Worte zu fassen (wie, ähm, immer). In Südtirol habe ich ja schon die Bekanntschaft einiger Berge gemacht, und mich prompt so hart in die Schatzerhütte verschossen, dass ich einen Monat später noch mal da war.

Aber fangen wir von vorne an. VonJustAway, einem neuen und überaus spannendem Reiseportal, wurde ich mit ein paar anderen Bloggern nach Kitzbühel und Innsbruck eingeladen. Die Details zum großen Kontext der Reise kommen später. Jedenfalls war Kitzbühel schon sehr attraktiv, so bildlich gesprochen (und sehr, sehr untertrieben). Aber Innsbruck! So hatte ich mir Tirol nicht vorgestellt. Und schon gar nicht eine Stadt. Eingekesselt im Alpenpanorama, wirkt Innsbruck wie eine Illusion. Gemalt, fantasiert, ausgedacht von einem Wahnsinnigen. Und so, so schön.

INNSBRUCK. Kein Scheiss, so sieht das da aus.

Gut, klar, an Tirol ist nicht alles toll. Das die überall Speck drunter mischen müssen ist nicht toll. Dieses subtile Schlager-Brainwashing, egal wo man ist – auch nicht toll. Und dann kommt man auf den Berg und dann hat man schon vergessen, was nicht toll ist.

Wir waren zwar nicht so cool wie die  Snowboarder, die das bisschen Schnee für ihre Skills nutzten, aber immerhin haben wir es bis auf die Hafelekar-Spitze geschafft. Die Seegruben-Bahn/Hochburgbahn bringt einen bis zum unvergesslichen Ausblick, ganz oben auf dem Karwendelgebirge, ganz oben über der Welt. Das Weiß! Das Blau! Diese Weite! HÖRT IHR DAS ECHO MEINES SEUFZEN! Kleine Fragen an die Profis: was ist mit den Fashion-FauxPas der Wintersportler los? Wieso muss alles in Neonfarben gehalten sein? Ganz ehrlich, wenn ich auf’m Berg schon sterben muss, dann will ich nicht aussehen wie Las Vegas bei Nacht. WAS IST DA LOS? WIESO GIBT ES KEINE FASHIONBLOGGER-POLIZEI IN DEN ALPEN? Ich bin richtig wütend geworden, Leute, und das sage ich als jemand, der seine Weihnachtseinkäufe bei Kik macht und stilistisch erst im Jahr 1998 angekommen ist.

Jetzt habe ich jedenfalls  Lust, mir das mit dem Skiurlaub noch mal zu überlegen (in traurigen Deckfarben). Bisher wollte ja nie jemand mit mir auf den Berg gehen, weil keiner Bock hat auf Anfängerpiste. Und obwohl Zipflbobfahren auch seinen Reiz hat (genau, während die coolen Kids grinden und auf den Snowboards springen… und ich dicke Trulla auf dem Bob.. GANZ TOLL), ist es jetzt vorbei mit dem Aufschieben. Ich werde mir (bald, bestimmt) einen Skikurs buchen. Und dann geht’s ab, jedenfalls so lange, bis ich mir den ersten Knochen breche, zaghaft vom Berg steige und wieder in die Stadt fahre und dort das mache, was ich am besten mache: nichts, und Serien gucken.

Anna genießt den Ausblick.

Innerlich tausend Tode gestorben

Wo wir auch wieder bei Innsbruck sind. HAB ICH SCHON ERWÄHNT WIE SCHÖN INNSBRUCK IST?! Sogar mein inneres Anti-Weihnachtsmarkt-Schwein hat sich in dem Panorama überwinden können. Eine Million italienische Besucher können nicht falsch liegen. Und meine Augen auch nicht.


Ich kann jedem nur empfehlen – Skifahrer oder nicht – diesen Ausflug zu machen. Die Entfernung ist machbar, und ein kleiner Wochenendausflug nach Tirol im Winter aufregender, als man denken mag. Zwar sind meistens alle ab 17 Uhr schon besoffen (sie nennen es Aprés Ski, ich nenne es After Hour), aber das schmälert die Erfahrung keineswegs. Außer man will, so wie ich, “nen anderen Gipfel” besteigen und riskiert sein Leben für ein Fotomotiv. Kurze Entwarnung: ich habe überlebt.

Ich, während die anderen dachten, dass ich sterbe.

Vielen Dank an JustAway für diesen tollen Tag und die schönen Eindrücke. Größter Dank auch an die anderen Teilnehmer der Reise, die einige der Fotos aufgenommen haben. Danke Nic, Oliver, Sören & Anna und Carmen! Eine ganz tolle Runde. Es war übrigens ‘ne richtig beschissene Idee, einen Schwarz-Weiß Film auf den Berg mitzunehmen. Nur so, falls es jemanden interessiert.

Selfie im Zeitalter des MEIN IPHONE IST IM ARSCH

One thought on “Stadt, Land, Fluss, … Berg.”

  1. Mann, ihr seid alle schnell mit euren Reiseberichten. Hab noch nicht mal meine Fotos durchgeguckt. 🙂
    Das Foto wo du ganz allein auf dem Berg stehst ist echt spitze. 🙂

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