Istanbul ist ein einziges Sightseeing-Panorama. Es ist undenkbar schwer, nicht auf die typischen Denkmäler und Sehenswürdigkeiten “hereinzufallen”. Man kann eben nicht den ganzen Tag einfach nur essen, auch wenn ich es definitiv versucht habe. Also haben wir dann doch einige Zeit damit verbracht, die Zisterne, Aya Sofia und Blaue Moschee anzusehen (nebst typischem Touridriss wie Bazar und Bootsfahrt).

Eines ist klar: noch mal muss ich das nicht machen, und womöglich hätte ich zur Hochsaison nur halb so viel Spaß dabei gehabt. Es reicht wirklich, sich Sultanahmet als Panorama vorzustellen. Sowohl die Zisterne als auch die Blaue Moschee muss man mal von Innen gesehen haben, wenn man sich als studierter Mensch nicht vor seiner gebildeten Peer Group verstecken will; aber einmal reicht definitiv. Und danach weiter, zurück nach Beyoglu oder sonst wohin. Das vorgespielte Reich der türkischen Exoten braucht niemand, anstehen und Eintritt zahlen sowieso nicht (das ist das schöne an den Moscheen: ihr Zutritt ist kostenlos. Frauen sollten daran denken, sich zu verschleiern).  Angeblich muss man auch den riesigen Tokapi-Palast mit seinen Harems gesehen haben. Wir haben’s uns mal geschenkt.

Versace Versace Medusahead umgedreht like I’m Illuminati

Ich halte es also trotz der unübertrefflichen Schönheit der Gebäude und Historie weiterhin so, dass ich mir das meiste nicht von Innen ansehen muss. Wenn, dann hätte ich gerne (und das habe ich mir auf dieser Reise nicht geleistet) eine ordentliche Tour, bei der mir auch erklärt wird, was ich mir eigentlich gerade angucke. Ansonsten stehe ich vor ästhetisch wirksamen Gemäuern, deren Bedeutung sich mir völlig verschließt. Weil ich es so langweilig finde, den Kram im Reiseführer nachzulesen, sollte ich es also ganz lassen und mir die monumentalen Reiseziele und Sightseeing-Punkte für das Rentenalter aufheben. Für die Gegenwart reicht das seichte berieseln lassen von visuellen Reizen, selbst dann, wenn sie in einem erheblichen Maße für mich historisch-symbolisch kontextlos sind.

(Wobei ich natürlich schon weiß, wie ich eine Moschee oder, dank Dan Brown, die Zisterne einzuordnen habe.)

Übrigens kann man in Sultanahmet nicht so gut essen, man sollte aber nicht auf die Straßensnacks verzichten! Simit, der Sesamring, heruntergespült mit frischgepresstem Granatapfelsaft und im Abgang einen Sahlep mit Zimt. Das ist Genuss- und Durchfallgarantie in einem! Schmeckt aber perfekt. Abgerundet wird das mit getrockneten Aprikosen vom Markt und frischen Kastanien. Ein vielfältigeres Street-Food Angebot gibt es wahrscheinlich nicht.


Im Inneren der Aya Sofia

(Man kann in Sultanahmet bestimmt gut essen, aber man möge doch bitte den Standard-Köfte nehmen und sich mit der Tatsache zufrieden geben, dass sich alles an Touristen wendet und nichts im Verkauf besonders “authentisch” ist; trotzdem ist die Küche gut und nicht weiter bemängelnswert. Also rein mit dem Fleisch!)

Dagmar war ständig mit ihrer riesigen Bazuka-Kamera bewaffnet und hat mein Scheitern selbstverständlich in all seinen Facetten und der ergiebigen Vielfalt aufgenommen. Die 200 Frames per Second davon, wie ich beim Treppesteigen auf’s Maul fliege, kriegt ihr natürlich bald zu sehen. Es wird nicht schön.

Jedenfalls war unser kleines Baby immer auch mit im Bild, das hat mir sehr gefallen.