Ich gebe es zu: ich habe mich erstmal FETT verlaufen. Und zwar ständig. Die verwinkelten Gassen, die von der Istiklal ausgehen, sind nicht zu unterschätzen. Ohne Kompass kommt man in Beyoğlu wirklich kaum klar. Durchnässt und völlig erschöpft – man sollte auch nicht vergessen, dass Istanbul aus vielen, vielen Bergen und Hügeln besteht – bin ich endlich im Marmara Pera Hotel angekommen.

Es sticht aus dem Beyoğlu-Panorama hervor, und es ist umso zweifelhafter, dass ich es nicht gefunden habe (… so ziemlich das einzige Hochhaus in der Gegend und ich laufe in die falsche Richtung). Aber die Rezeptionistin hat sich nichts aus meinem zerstörten Anblick und dem zerfetzten Rollkoffer gemacht. Im Gegenteil: wir bekommen das bessere Zimmer (mit Sea View), ohne darum bitten zu müssen und eine kleine Tour durch’s Haus plus das Versprechen, bei jedem Problem doch bitte auf den Service zuzugehen. Alleine diese überschwängliche Begrüßung und das ungespielte Interesse an unserer Mission (die im Prinzip aus “essen, essen, essen” bestand) hat mich in einen schockverliebten Zustand versetzt. In Sachen Charme und Service ist das Hotel schon mal unbestechlich.

Türkischer Kaffee <3
Istanbuler Luft (…)

Unser Zimmer befand sich dann im 10. Stock. Es hätte aber, bei dem Ausblick, auch im 25. sein können. Die ganze Stadt lag vor uns, zumindest bis zu dem Punkt, wo sie von Bosporus und dann vom Schwarzen Meer abgeschnitten wird. Ich saß bestimmt eine Dreiviertelstunde vor dem Fenster und glotzte in die Ferne. Das war noch bevor ich das Dach testete, welches zu der noch kühlen Jahreszeit noch nicht zu einer Rooftop-Bar umgewandelt wurde, aber dennoch zum verweilen einlud.

Unsere Baby-Bazuka
Ausblick bei Nacht

Alleine für diesen einzigartigen Ausblick würde ich jederzeit wieder im Marmara Pera bleiben. Ich denke, damit hat es gegenüber 90% aller Hotels in der Preisklasse in Istanbul schon das Rennen gewonnen, und dafür musste ich mir nicht mal andere Hotels anschauen. Aber auch das Gesamtpaket stimmte: sauber, ordentlich und im “Designethos” schlicht und mit dezentem Dekor gehalten. Zudem habe ich noch nie so eine umfangreiche “Minibar” bestaunen dürfen. Unter anderem erhältlich: Istanbuler Luft, Damenstrumpfhosen, Kartenspiele. Man müsste das Zimmer niemals verlassen, würde da nicht eine riesige Stadt unter einem toben.

Zentral gelegen und mitten im Zentrum des Nachtlebens macht sich das Marmara Pera auf jeden Fall als gute Haltestelle in Istanbul einen Ruf. Nicht nur zum Übernachten – obwohl eine Oase der Ruhe und mit exzellenten Betten – eignet sich das Haus, sondern auch für die Locals zum ‘hängen im Sommer. Die bereits erwähnte Rooftop-Bar und das Restaurant auf dem Dach sind berühmt-berüchtigt. Seitdem in Beyoğlu ein Trinkverbot auf den Straßen existiert, verziehen sich die Einheimischen einfach in Richtung Himmel. Das Dach des Pera ist definitiv mit eines der beliebtesten in Istanbul.

Wahrscheinlich muss ich das an dieser Stelle erwähnen, weil es sowieso irgendwann rauskommt: ich habe mir einen kleinen Traum erfüllt und mit meinen neuen (!), also ungetragenen, Schuhen, eine kleine Jumpstyle Tanzeinlage auf dem Bett hingelegt. Auf Hotelbetten springen ist das schönste was es gibt. Das Marmara Pera Bett hat meinem kolossalen Gewicht, angereichert von vielen Knoblauchodyseen in der türkischen Cuisine, überlebt und gehört damit zu den wenigen Hotels, die in meine persönliche Hitlisten-Kategorie gehören.

Gescheiterte Selfie-Versuche vom Dach.


Vielen Dank an das Marmara Pera für die Gelegenheit, das Hotel in unserer Zeit in Istanbul zu testen!