Der Große Bazar in Istanbul ist so etwas wie die erste Shopping Mall der Welt. Es erinnert mich selbstverständlich an die alten und traditionellen Märkte in Damaskus, allerdings gab es da weniger Nippes und Ramsch, sondern nach Funktionalität unterteilte Warenausgaben. Metzgereien etwa. Stellt euch vor, ihr seid in einem Tunnel voller toter Tiere gefangen. Aber ich schweife ab.

Der Große Bazar in Istanbul, um noch mal von vorne anzufangen, ist schon eher auch ein Relikt alter Zeiten, das für Touristen und Exotikfans aufrecht erhalten wurde. Die übertreiben ihre Rolle ein bisschen. In Marrakesch hat sich das damals ähnlich angefühlt. Das ist gar nicht so schlimm, wenn man es noch nie gesehen hat, dann kann man sich voller Freude darauf einlassen. Nur kaufen würde ich nichts, denn die Produkte sind nicht exklusiv. Man findet sie meistens in der ganzen Stadt verteilt.

Anyway, das Bazar-Konzept wäre mir also lieber, wenn die auch tatsächlich ein paar coole Sachen verkaufen würden, aber soll mir recht sein. Nicht mal schön gefälschte Sachen kann man da kaufen. Nur hässlich gefälschte Sachen. Nichtsdestotrotz haben sich das Kriechen durch die Gänge und die Irrungen und Wirrungen gelohnt, denn was der Bazar ganz gut kann ist: Essen. Wer hätte es gedacht!

Man sollte sich nur nicht täuschen lassen. Die Touri-Traps sind wie immer eher durchschnittlich. In den verwinkelten Seitenstraßen des Bazars finden sich dann aber die Orte, an denen die Angestellten und Verkäufer des Bazars chillen. Aus den kleinen Buden in der Wand strömen herrlicher Köfte-Duft und sanfte Chai-Aromen, die uns betört haben. Ist auch kein großes Wunder, ich habe seit 1988 permanent unstillbaren Hunger.

Bei den bärtigen türkischen Männern fanden wir aber keinen Platz, sodass wir weiter nach heimischer Küche suchten. In einer kleinen Oase des Bazars – ein Innenhof, der von Katzen und Sonne durchflutet wurde – machten wir es uns bei Kara Mehmet bequem. Wahrscheinlich ist das so ein Ort, den man niemals wieder finden wird. Eine kurze Google-Suche zeigt aber, dass er kein Unbekannter ist: seine Adana-Spieße sind die besten auf dem Bazar und vermutlich gehören sie zu den besten Istanbuls.

Das Glück war also auf unserer Seite und die Mahlzeit so köstlich wie nichts zuvor, was ich in Istanbul aß. Ich hätte mich da reinlegen können. Ich wäre gerne zurück gekehrt, shit, ich würde jetzt am liebsten zurück kehren und da Mittag machen! Im Teeladen neben uns wurde Backgammon gespielt, die Besitzer von Kara Mehmet und die Grillexperten servierten uns noch bappsüße Künefe zum Nachtisch und zeigten uns Stolz ihre Anzeige in einem Reiseführer. Das hat mir gut gefallen. Das Essen, der Bazar, dieser Ausflug: hat mir alles gut gefallen.

Kara Mehmet
Gute Gastgeber: die Jungs von Kara Mehmet

Übrigens: wer sich den Stress mit dem Touri-Bazar sparen möchte, der kann auch einfach mal durch den Gewürz-Bazar (nahe der Galata-Brücke) streifen. Den fand ich spannender, übersichtlicher und witziger als den Grand Bazar, der einem auch jegliche Kraft aus den Füßen rauben kann.

Wer wirklich ein paar coole Sachen schießen will, kann auf der Istiklal fündig werden. Gegenüber der niederländischen Botschaft geht eine Seitengasse in eine Art “Fake Products”-Oase über. Hier wird in der Türkei produzierte Ausschussware von River Island, COS und H&M (unter Anderen) ohne Labels verkauft. Man muss geduldig sein wie auf einem schlecht sortieren Dorf-Flohmarkt, aber für einen Euro kriegt man gute Basics und muss nicht stundenlang feilschen oder sich wundern, ob man abgezogen wird.