Womit ich in Valencia definitiv nicht gerechnet hätte: dass das Essen so fein sein würde. Und zwar in jeglicher Hinsicht. Egal, wonach man sucht, man findet es hier. Von den kleinen Leckereien am Straßenrand bis hin zu den ausgefeilten Konzeptrestaurants. Eine gesunde Mischung aus regionaler Küche und moderner Cuisine, und zwar überall, wohin man geht und worauf man Lust hast, findet sich in dieser tadellosen Stadt.

Mein Empfinden dabei war meistens: oh mein Gott, ich will mehr essen, aber ich kann einfach nicht! Dass “zu satt” ein Zustand sein kann, den ich mal erlebe, hätte niemand mehr gedacht. In Valencia ist das nicht nur gut möglich, es ist auch gut möglich, dass man das Gefühl hat, man müsse alleine wegen der üppigen Auswahl an Restaurants wiederkommen, in denen man sogar recht günstig dekadente Menüs vorgesetzt bekommt. Vorbei sind also die Vorurteile darüber, dass man in europäischen Großstädten nicht auch als armer Student fein essen gehen könnte.

Zudem kommt hier auch die spanisch-valencianische Atmosphäre der Lockerheit zum Tragen. Die Spanier sind witzig, frisch und immer hilfsbereit, wenn man keine Ahnung hat, was da gerade auf dem Menü steht. Also, ich sage es mal so: wenn mich Valencia an einem Punkt am meisten überzeugt hat, dann beim Gaumen. Bevor ich meine Top-Restaurants aufzähle, muss ich aber noch einer ganz besonderen Entdeckung Raum geben: Horchata.

HORCHATA!!!!!!!!!!!!!

Okay Leute. HORCHATA. Das ist meine neue, spanische Cola für den Sommer – die es leider nur in Valencia gibt und mich deshalb traumatisiert-sehnsüchtig zurücklässt. Horchata ist Erdmandelmilch. Erdmandel gibt es in Valencia oder völlig überteuert im Bioladen. Jedenfalls gibt es überall in der Stadt kleine Horchaterias, also Cafés und Stände, in denen man frisch gezapfte Erdmandelmilch abholen und mit einem kleinen Gebäck genießen kann. ICH BIN SCHOCKVERLIEBT! ICH MÖCHTE MEINEN LEBTAG NICHTS ANDERES MEHR KONSUMIEREN! Vergesst Koks und Carpaccio: HORCHATA! Wieso mussten wir uns eigentlich mit Bubble Tea abfinden in den letzten Jahren, wenn so etwas göttliches existiert? Wie seelenlos muss die Welt sein, dass wirklich alles global verkauft wird, von Tennissocken bis Schinken, aber Horchata ist noch nicht in der kulinarischen Experimentierhölle Berlin angekommen? IST DAS EUER ERNST? Ich glaube, das wird mein neues Business. Wer auch immer, warum auch immer, in Valencia ist und NICHT die Horchata probiert, gehört für immer eingesperrt. So. So viel zu meinem emotionalen Ausbruch wenn es um Essen geht.

Und nun: hier meine kleine Empfehlungen für alle, die köstlich speisen möchten.

1. Die Casa Montana ist eine über 100 Jahre alte Bodega im gemütlichen und urigen Hafenviertel. In rustikaler Atmosphäre werden einem so köstliche Tapas serviert, dass man unverzüglich sterben möchte, weil man meint, niemals wieder in den Genuss solcher einfachen, aber raffinierten Dinge zu kommen. Diese Dinge sind etwa: Tomaten in Salz und Olivenöl. Nicht diese ollen Holland-Tomaten oder die Flugware, die täglich zermatscht in die Supermärkte kommen, sondern Tomaten, die so gut schmecken, dass man ernsthaft glaubt, sein ganzes Leben nichts anderes mehr essen zu müssen. Und das ist ja dann auch erst der Anfang des Menüs und der Rest macht einen auch nur noch fertig, alles macht mich so fertig, wenn ich daran denke, wie gut dieses Essen war und wie selten gierig und hungrig ich werde, wenn ich daran zurück denke. Leute, ihr habt keine Ahnung. Die Casa Montana ist kein unbekanntes Restaurant, aber halt zurecht auch nicht: nicht immer sind es nur die Geheimtipps, auf die es ankommt. Die Mischung aus traditionellen, regionalen Speisen mit diesem gemütlichen und authentischen Ambiente machen es zu dem Spot auf der kulinarischen Landkarte von Valencia.

 

2. Mercado Central! Wieso gibt es hier keine Zentralmärkte mehr? Richtig, weil wir eben keine frischen Tomaten haben, die gut schmecken. Und keine frischen Erdbeeren. Und sonst irgendwas was gut schmeckt. Nur Spargel (ok, fair enough) und Rhabarber, aber dafür brauche ich ja auch nicht in den Markt gehen. Jedenfalls, egal: hier kriegt man alles, und mit alles meine ich ALLES. Und sowas macht mich glücklich. Es ist wunderschön und modernisiert und klimatisiert und zugleich ordentlich und nicht so wie die Märkte in Asien, wo man sich mit den Leuten prügeln muss (für das “authentische” Erlebnis), um an den nächsten Stand zu kommen. Aufgeräumte Märkte: ein Träumchen. Für die kleine Tomate zwischendurch, und selbstverständlich auch für den Cortado an der Markthallentheke, wo es auch köstliche Stullen gibt und die Eleganz der Markthallentheke auf ein neues Niveau gehoben wurde.

3. Paella kommt in allen möglichen Variationen, wird aber eigentlich ohne Shrimps oder sonstige Fischzusätze gemacht und stammt ursprünglich aus Valencia. Im entzückenden Land- und Gasthaus La Mozaira gibt es eine Paella, die so köstlich schmeckt, dass man sich danach direkt in eines der schönen Zimmer zum Verdauen oder wenigstens an den Pool legen möchte. Das Haus selbst ist ein alter Bauernhof, der modernisiert wurde. Der Besuch fühlt sich so an, als wäre man bei seinen Großeltern eingeladen worden. Etwas fernab der Stadt (also 10 Minuten mit dem Taxi) ist man schon direkt “auf dem Land”. Hier wird Erdmandel und Reis angebaut. Und die Paella-Künste gepflegt. Für mehr gute Paella auf der Welt!

4. La Lola ist ein ganz tolles Restaurant, mitten in der Altstadt in einer kleinen Seitengasse gelegen. Hier wird mit rustikalen Tapas in modernem Gewand experimentiert. Draußen kann man die laue Abendluft und die kleinen Köstlichkeiten sowie die dekadenten Hauptspeisen genießen. Wer es doch ein Stück feiner mag, der wird im Restaurant Lienzo auf den Geschmack kommen. Alles ist in einem kühlen Weiß gehalten und schmeckt so, wie mathematisch auf den Gaumen angepasst. Im Übrigen weine ich mittlerweile bei dieser Aufzählung, weil ich weiß, dass ich nie wieder so viele tolle Sachen auf einmal und innerhalb so kurzer Zeit essen werde. Ich schreibe es mir auf meine Lebensziel-Liste.

5. Canalla Bistro by Ricard Camarena wäre sowas wie mein Stammrestaurant, wenn ich in Valencia leben würde (was ich vielleicht auch bald tue, denn die Stadt eignet sich perfekt für mein geplantes Auslandssemester und um meinen Hunger zu bändigen). Hier gibt es saftige Burger in einem lockeren Ambiente und das beste Steak Tartar, was ich je gegessen habe. Dass der Besitzer des Restaurants gleich nebenan seinen mit Michelin-Sternen überhäuften Laden hat, spricht natürlich nur für die Location und das, was einen erwarten kann.